BegabungsNews Eltern-Lehrer-Gespräche

Eltern-Lehrer-Gespräche
Eltern-Lehrer-Gespräche sind für einige Eltern und auch Lehrkräfte immer wieder ein Energieräuber. Im Begabungsblick erarbeiten wir gemeinsam Lösungen.
Dies ist ein Auszug aus den BegabungsNews. Wöchentlich bekommen die Leserinnen und Leser Tipps und Einblick in Begabungsblick. Sei gerne mit dabei.
Moin Moin,
na, hast du mit deinem Kind die Bastelanleitung vom Freitag genutzt? Hier im Begabungsblick sind jedenfalls tolle Bilder entstanden und es eignen sich auch Herbstbilder. Ich freue mich jedenfalls über Bilder, die wir mit anderen Eltern teilen können.
In dieser Woche haben so einige Eltern-Lehrer-Gespräche stattgefunden. Du erinnerst dich sicher, dass wir nach einem IQ-Test ausführlich am Testtag mit den Eltern sprechen. Zwei Stunden sind reserviert, um Fragen zu beantworten und gemeinsam für die Familie passende Lösungen zu entwickeln.
Eltern-Lehrer-Gespräch
🛟 Anna: Schülerin, Gymnasium, 7. Klasse
Herausgekommen ist die Hochbegabung nur, weil der IQ-Test bei uns eine Hochbegabung zeigte und gleichzeitig die Diagnostik Lernkompetenz unerfüllte Bedürfnisse offenbarte. Zusätzlich wurde deutlich, dass die Handlungskontrolle kaum noch möglich ist. Anna sehnt sich nach Herausforderung, möchte aber nicht aus der Gruppe herausstechen.
Die Klassenlehrerin war sehr betroffen, dass ihr nicht aufgefallen war, dass Anna unterfordert war. Im Gespräch wurde noch einmal deutlich, dass Anna sehr gut darin war, zu maskieren. Sie zeigte ihr Potenzial nicht, beschwerte sich nicht über langweilige Aufgaben. Den Kummer machte sie mit sich allein aus. Hier kannst du mehr dazu lesen, wenn Potenzial nicht gezeigt wird.
Bevor wir Annas Wünsche nennen konnten, hat der Begabungsbeauftragte die üblichen Möglichkeiten der Schule genannt:
👉 Digitale Drehtür
👉 Drehtür für ein Projekt ihrer Wahl. Sie kann zu festen Zeiten das Klassenzimmer verlassen und an ihrem Projekt arbeiten.
👉 In ausgewählten Fächern kann sie am Unterricht der höheren Klasse teilnehmen.
👉 Wettbewerbe sind möglich.
👉 Herausfordernde Fragen zu aktuellen Themen sind in allen Klassenräumen vorbereitet.
👉 Seitenweg-Methode – in ein Thema auf andere Art eintauchen und mit den anderen in den Diskurs gehen.
Die Lehrkräfte haben überwiegend dazu eine wohlwollende Haltung. Die Klassenleitung bekräftigte, dass sie das mehrfach begleitet hat und Anna jetzt auswählen soll, was zu ihr passt.
Jetzt war es nur „noch“ an den Eltern, sich einzugestehen: Hochbegabung ist normal und die Schule darauf vorbereitet. Manchmal ist es die einzige Challenge, die Sorge loszulassen und zu verinnerlichen: Sonderbehandlung ist normaler als angenommen.
🛟 Victor, Schüler, Grundschule, 3. Klasse
Der Test zeigte Hochbegabung und das Arbeits- und Kontaktverhalten war vorbildlich. So beschrieben die beiden Lehrerinnen das Gespräch auch. Ein toller Junge, der aktiv mitarbeitet und sehr gute Leistungen zeigt. Sozial ist er mit zwei Kindern etwas enger im Kontakt, aber hat keine Konflikte. Außerhalb der Familie ist mit anderen Kindern im Kontakt.
Die Mutter berichtete sehr wohlwollend vor dem gemeinsamen Gespräch mit den Lehrkräften über beide. Und sie sollte sich nicht irren. Es waren tolle Frauen, die bereit für Änderungen waren und gerne Mehrarbeit in Kauf nahmen.
Beide Lehrerinnen waren betroffen, dass er unterfordert ist. Sie hatten ihm regelmäßig Sonderaufgaben zusätzlich angeboten. Das hat er jedoch abgelehnt und lieber erledigt, was alle tun. Sie sahen, dass er ein hohes Potenzial hat, konnten es aber nicht in höhere Leistung führen.
Nachdem die Fragen der Lehrerinnen ausgesprochen wurden, habe ich zuerst einmal über einige Grundkenntnisse gesprochen.
👉 Hochbegabung bedeutet, sich Dinge schneller merken zu können. Das logische Verständnis ist so gut, dass Zusammenhänge schneller erfasst werden können. Das Vorstellungsvermögen ist so großartig, dass viele Dinge im Kopf geprüft werden können, ohne sie haptisch auszuprobieren. Dazu kommt ein hohes Wissen und so können neue Inhalte schneller angeknüpft werden.
👉 Werden Lernziele schneller erreicht, werden deutlich weniger Wiederholungen nötig. Eigentlich logisch, oder?
👉 In jeder Klasse ist ein halbes hochbegabtes Kind und dreieinhalb begabte Kinder. Nein, es gibt keine halben Kinder, aber wenn wir von vier bis sechs fitteren Kids pro Klasse sprechen – da stimmen alle zu.
👉 Diese fitten Kids benötigen mehr Herausforderungen und denken eher von Groß nach Klein. Es ist also immer wichtig: Wozu benötige ich das? Wo gehört das hin? – Hochbegabte Kinder können irritiert werden, wenn sie das nicht wissen. Normal begabte Kinder lernen viele kleine Dinge und freuen sich, wenn sie am Ende etwas ergeben. Für hochbegabte Kinder muss der Sinn vorher klar sein.
👉 Das Material in der Schule sowie die Ausbildung sind ideal für normal begabte Kinder. Für Kinder mit Förderbedarf gibt es extra Lehrkräfte und mehr Wiederholungen. Wer also schneller ist, benötigt weniger Wiederholungen. Ehrlicherweise würden wir die Wiederholungen für normalbegabte Kinder nicht von z. B. 4 Wochen Lernphase auf 12 Wochen erhöhen, denn dann würde niemand mehr mitarbeiten. Da fällt uns gleich etwas auf, oder? 😉
Was ist also die Lösung für die Lehrerinnen in der Grundschule?
👉 Von den leichten Aufgaben fast alle streichen. Die schweren müssen gemacht werden.
👉 Projekt oder Heft von Braintalent verpflichtend mit den anderen fitten Kids bearbeiten und Zwischenergebnisse als Referate oder als Quiz der Klasse vorstellen.
👉 Ein Fach in der höheren Klasse anbieten.
Vorbereitung auf den Klassensprung von drei nach fünf. In der Klasse fünf wird viel wiederholt und Lücken fallen wenig auf. Viktor könnte so lernen, was das Lernen tatsächlich bedeutet: Anstrengung, Umgang mit Misserfolg und Strategien entwickeln.
Die Eltern trainieren jetzt noch die Handschrift und Rechtschreibung, damit das nach dem Klassensprung kein Sorgenkind wird.
🛟 Ansgar, Grundschule, 2. Klasse
Dazu kann ich nicht so viel sagen, aber die Worte von Johanna sagen aus, was ich auch erlebt habe.
„Mama, die Lehrkräfte waren super. Die waren richtig erleichtert, dass wir gemeinsam nach Lösungen gesucht haben.“
Tja, das ist wirklich überwiegend so. Manchmal täuschen wir uns anfangs. Eine ruhige, nachdenkliche Person kommt skeptisch rüber. Blickt ernst und stellt kritische Fragen, da sind Eltern häufig schneller angefasst – gerade weil sie woanders schlechte Erfahrungen gesammelt haben. Es zeigt sich jedoch, dass gerade diese Lehrkräfte häufig neue Informationen prüfen und überlegen, wie sie diese umsetzen können.
💥 Underachievement 💥
– den beliebten Vortrag halte ich am Dienstag, 03.11.2026, für die DGhK
In diesem Jahr habe ich viel zum Thema Underachievement zusammengetragen. Daraus ist ein attraktiver Vortrag entstanden, in dem wir über Zusammenhänge und Auslöser etwas erklären. Wichtig! Es sind viele kleine Möglichkeiten, wie du dein Kind unterstützen kannst.
Melde dich gerne noch an. Falls der Termin nicht passt, dann findest du den Beitrag auch im Elternclub „Fokus Begabung“.
✍️ Handschrift ist die unsichtbare Unterstützung von Underachievement
Inzwischen sind unsere ersten Trainingskinder für eine flüssige Handschrift in Hannover oder online nahezu am Ziel. Sie haben von ihren Lehrkräften teilweise tolle Rückmeldungen erhalten, sehen aber selbst, was sie mit ihrer Anstrengung erreicht haben. Was mir noch nicht ganz klar geworden ist: Wer ist stolzer?
💚 Mama?
💚 Johanna?
💚 Lehrkräfte?
💚💚 Der Schüler selbst? (Aktuell trainieren nur Jungen!) 💚💚
Ach, auch egal! Sie haben es geschafft, sich anzustrengen, durchzuhalten und immer wieder, sich für die Erreichung eines Ziels zu überwinden. Glückwunsch an alle – insbesondere an die Schüler. Was für eine wertvolle Erfahrung. (Abgesehen vom Nutzen, flüssig schreiben zu können.)
Heute würde ich mich sehr freuen, wenn du mir deine Erfahrungen mit Eltern-Lehrer-Gesprächen schreiben könntest. Sehr gerne würde ich andere Eltern ermutigen. Außerdem die Frage an dich: Wie steht es bei euch mit der Handschrift? Habt ihr es allein hinbekommen? Oder was hat euch geholfen?
Liebe Grüße
Claudia

